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Hausunterricht - Lehrer-Ecke

About Hausunterricht

Previous Entry Hausunterricht May. 15th, 2010 @ 02:43 pm Next Entry
Momentan läuft eine bisher noch nicht sehr stark beachtete Petition dafür, Hausunterricht in Deutschland zu legalisieren (hier).

Ich muss sagen, dass ich gerade zum gegebenen Zeitpunkt nicht besonders viel davon halte, da ich davon ausgehe, dass dies ein Modell ist, welches nur für besser gestellte SchülerInnen aus "bildungsnahen" Familien funktioniert, es dem Staat erlaubt, noch mehr (finanzielle) Verantwortung auf die Eltern zu übertragen und noch weiter dazu beiträgt, dass das Einkommen der Eltern die schulische Leistung der Kinder beeinflusst.

Andererseits schwärmen die Befürworter von den besseren Testergebnissen ihrer Kinder, besserer Kontrolle über Lerninhalte (was natürlich nicht für alle Hausunterrichtsbefürworter relevant ist), sowie einer besseren Motivation der Kinder, die zu Hause natürlich auch weniger Angst vor Mobbing haben müssen.

Was denkt ihr? Sollte Hausunterricht legalisiert werden?
Current Mood: curiouscurious
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From:dopitita
Date:May 15th, 2010 02:16 pm (UTC)
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Hausunterricht an sich finde ich unter Umständen sehr sinnvoll, und das strikte Verbot birgt sicher eine Menge Zündstoff.
Auf der anderen Seite steht aber die Idee, dass gerade durch den verpflichtenden Schulbesuch die Chancengleichheit (soweit irgend möglich) gewahrt bleibt, und die finde ich noch wichtiger ...

Meine Meinung ist also, Hausunterricht als Alternative sollte straffrei werden, allerdings per Gesetz unter Aufsicht der Schule stehen (inhaltliche Absprachen und Überprüfungen, verpflichtende Tests, ähnlich einem Fernstudium).
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From:try_to_fly
Date:May 15th, 2010 09:16 pm (UTC)
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"Meine Meinung ist also, Hausunterricht als Alternative sollte straffrei werden, allerdings per Gesetz unter Aufsicht der Schule stehen (inhaltliche Absprachen und Überprüfungen, verpflichtende Tests, ähnlich einem Fernstudium). "
so sehe ich das auch, ja, richtung fernstudium gehend.
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From:ninniach
Date:May 15th, 2010 04:17 pm (UTC)
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Ich sehe die Gefahr weniger darin, dass die bildungsnahen Familien dadurch mehr finanzielle Verantwortung für die Bildung ihrer Kinder übernehmen. Das tun sie doch sowieso, ganz egal, ob sie das schon während der Schulzeit oder erst nach der Schule machen. Bevor man das als Argument nutzen kann, müsste dieser Missstand zumindest gemildert werden. Ganz abschaffen kann man das wohl nicht, weil man sich mit mehr Geld grundsätzlich immer mehr/besseres leisten kann.

Mich beunruhigen eher die Familien, die ihre Kinder zu Hause unterrichten wollen und sich zu mindest am Rand irgendeines Fundamentalismus (egal in welche Richtung) bewegen. Hellhörig macht mich da immer das Argument mit der besseren Kontrolle über die Lerninhalte. Meiner Meinung nach haben Kinder ein Recht darauf, aus einer neutralen Quelle alles das zu lernen, was sie für das spätere Leben brauchen. Dazu gehören halt auch Evolutionstheorie, Sexualkunde und Das dritte Reich, selbst, wenn es den Eltern nicht Recht ist (was sie bei mir schon auf Elternabenden kund getan haben). Selbst wenn es beim Hausunterricht Prüfungen gäbe, bin ich nicht sicher, ob die Eltern dann nicht einfach eine schlechte Note für ein unliebsames Themengebiet einkalkulieren würden.

Mobbing und Motivation halte ich für stark abhängig von den jeweiligen Konstellationen. Auch Eltern können ein negatives Lernklima herstellen. Bei uns war es früher immer das blanke Chaos, wenn irgendwer meinem Bruder was erklären wollte/sollte. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das mit Hausunterricht da irgendwie funktioniert hätte. So wie es Eltern gibt, die es schaffen, ihr Kind sinnvoll lernen zu lassen zu Hause, gibt es doch auch Eltern, deren Erwartungen die Kinder überfordern (nochmal mehr, weil es ja die eigenen sind und man selbst die Verantwortung trägt), Druck ausüben und ihr Kind so selbst mobben und demotivieren.

Ganz abgesehen von dem allen, sehe ich die Schule, besonders in den ersten Jahren, auch als einen Ort des sozialen Lernens. Gerade dadurch, dass man sich dem nicht einfach entziehen kann, wenn man keine Lust mehr hat, sondern gezwungen ist, weitere an dieser Veranstaltung teilzunehmen, ist man gewzungen, sich mit der Gruppe auseinanderzusetzen. Dazu gehört für mich auch, dass sich Kinder aus verschiedenen Gesellschaftsgruppen treffen und lernen, miteinander auszukommen und dann auch noch mit dieser Person da vorne klarzukommen, die nicht die rosarote Elternbrille aufhat, sondern einem auch mal mehr entgegensetzt. Das wäre mir eines der wichtigsten Lernziele für eigene Kinder.

Also nein, dagegen!
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From:moeri
Date:May 15th, 2010 05:54 pm (UTC)
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Ich denke ganz klar, dass vielen Kindern die Sozialisation sehr schwer fallen wird, wenn sie zu Hause unterrichtet werden. Wenn ein Kind gemobbt wird, fände ich es vielleicht noch ok, aber wie soll sich dieses Kind dann überhaupt sozialisieren? Hinterher entwickelt es dann Menschenangst. Allerdings kann es ja auch sein, dass es an der Schulstufe liegt. In der 8. sind Schüler einfach recht grausam. In der Oberstufe würde sich sowas sicher bessern, wenn ein Kind mit Heimunterricht dann wieder zur Schule geht.
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From:zimtkeks
Date:May 18th, 2010 12:36 pm (UTC)
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Abgesehen von all den klugen Argumenten, die hier schon vorgebracht wurden, steht das einfach total im Widerspruch zu dem allgemeinem Ruf nach kooperativem Lernen. Das geht ja nun gar nicht im Heimuntericht.
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